Macht

Ein wichtiger Aspekt in der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Praxis und einer bestimmten Gruppe von Menschen ist die Frage von Macht. Macht ist die Möglichkeit, etwas zu bewirken, etwas zu beeinflussen oder zu bestimmen. Macht kann positiv aber auch negativ sein. Das Gegenteil von Macht ist Ohnmacht.

In der Partizipativen Forschung ist es wichtig, Machtverhältnisse in der Zusammenarbeit aufzudecken, zu thematisieren und abzubauen und im gesamten Forschungsprozess immer wieder neu zu überprüfen.

Die Wissenschaft hat die Macht, Gesellschaft und Politik durch ihre Erkenntnisse mit zu beeinflussen. Die Basis der Wissenschaft ist, Forschungsergebnisse und Erkenntnisse zu veröffentlichen. In der Partizipativen Forschung werden Erkenntnisse durch die Beteiligung unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure gewonnen. Es sollte daher mit allen Beteiligten diskutiert werden, was, wie und wo veröffentlicht werden soll und wer die Ergebnisse (mit) verantwortet. Damit werden die Macht und die Verantwortung auf alle verteilt.

Auch Sprache ist eine Macht. Die Sprache der Wissenschaft ist mächtig, weil sie oft nur von denen verstanden wird, die gelernt haben, sich in dieser besonderen Sprache zu verständigen. In der Partizipativen Forschung ist es aber wichtig, dass eine Sprache gewählt wird, die alle Beteiligten verstehen können. Wenn Menschen oder Gruppen beteiligt werden, die grundsätzliche Probleme mit Sprache haben (beispielsweise Menschen, die nicht lesen und schreiben können oder Menschen, die kein oder nur wenig deutsch verstehen), müssen Wege gefunden werden, damit das, was gesprochen oder geschrieben wird, von allen verstanden werden kann.

Die Notwendigkeit der Übersetzung von Wissenschaftssprache in Alltagssprache bedeutet nicht, dass Wissenschaftler/innen ihre Ergebnisse nicht gleichzeitig auch im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit und in ihrer wissenschaftlichen Sprache veröffentlichen können.

Auch die Praxis hat Macht. Sie kann als Behörde, als Organisation oder beispielsweise auch als einzelner Sozialarbeiter bestimmen, was getan oder umgesetzt wird. Es ist daher für alle an der Forschung Beteiligten wichtig zu wissen, wer welche Erkenntnisse und Forschungsergebnisse mit wem umsetzt. Praktiker/innen dürfen das erworbene Wissen nicht dazu benutzen, eigene Interessen durchzusetzen, ohne dass andere Beteiligte Kenntnis davon erlangen.

Auch Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenswelten haben Macht. Sie entscheiden, wichtige Dinge preis zu geben oder zu verheimlichen. Sie wägen ab, was ihnen nützlich ist und was ihnen schaden kann. Häufig werden wichtige Aspekte auch nicht offenbart, weil die eigene Gruppe geschützt werden soll. Manchmal steht allein das Eigeninteresse eines oder einer Beteiligten im Vordergrund. Diese besonderen Formen der Macht werden oft nicht wahrgenommen oder nicht beachtet. Sie sind aber von grundlegender Bedeutung für eine Forschung, die Veränderungsprozesse einleiten will.

Alle Fragen, die mit Macht zu tun haben, bergen in sich immer auch ethische Fragen.