Partizipative Forschungsvorhaben

Ein Forschungsvorhaben gemeinsam mit anderen zu gestalten ist für alle Beteiligten neu; denn in der Partizipativen Forschung begegnen sich ganz unterschiedliche Welten:

  • Die Wissenschaft mit akademisch Forschenden
  • Die Lebenswelt/Alltagswelt bestimmter Gruppen von Menschen
  • Die Praxis (Organisationen, Bildungseinrichtungen, Behörden oder Verwaltungen)

Die drei Bereiche haben ihre eigenen Strukturen, eine eigene Dynamik, eigene Beziehungen und eine eigene Sprache. Die Bereiche haben sich über lange Zeiträume entwickelt und sich gesellschaftlichen und politischen Veränderungen angepasst. Sie sind in ihrem jeweiligen Bereich mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert, die sie gewohnheitsgemäß auch hier versuchen zu lösen.

Die akademisch Forschenden sind in ihrem Forschungsalltag daran gewöhnt, einen Forschungsplan zu erstellen und den Forschungsverlauf für einen bestimmten Zeitraum festzulegen. Sie haben Forschungsfragen und arbeiten nach bestimmten Methoden. Partizipative Forschung dagegen ist anders. Die Prozesse lassen sich nicht vorherbestimmen und in ihren Inhalten lenken. Der Forschungsplan, die Forschungsfragen und das Vorgehen werden von den anderen Beteiligten mitbestimmt. Das erfordert Geduld, Verständnis für die Situation der Mitforschenden und ein hohes Maß an Flexibilität. Das heißt, die akademisch Forschenden müssen sich an immer neue Situationen und Aufgaben anpassen können. 

Menschen in ihrer Alltagswelt haben nur selten eine genaue Vorstellung von Forschung, kennen dafür aber ihr eigenes Umfeld und ihre Probleme. Umfeld und Probleme sind sehr real und schränken die Möglichkeiten der Menschen oft ein. Die Wirklichkeit ist für die meisten nicht mit abstrakter Wissenschaft vereinbar; Wissenschaft erscheint ihnen fern von ihrer Alltagswelt. Wenn Menschen aus einer bestimmten Lebens- oder Alltagswelt an Forschung beteiligt werden, sind sie vielleicht unsicher. Sie glauben nicht, dass Forschung etwas verändern kann. Vielleicht sind sie vorsichtig, weil sie nichts aus ihrem Leben oder ihrem Alltag erzählen wollen. Sie wissen nicht, was mit ihren Informationen geschieht. Sie haben keine Zeit, weil sie arbeiten müssen. Es kann aber auch sein, dass sie sich freuen, wenn sie zu ihren Problemen gefragt werden.

Praktiker/innen sind Menschen, die in Organisationen, in Bildungseinrichtungen, in Verwaltungen oder Institutionen tätig sind. In den meisten Fällen arbeiten sie mit anderen Organisationen oder Einrichtungen zusammen. Manchmal sind sie unzufrieden mit dieser Zusammenarbeit. Sie möchten Arbeitsabläufe oder Strukturen in ihren Zuständigkeitsbereichen verändern. Manchmal wissen sie nicht, wie sie das machen können, manchmal haben sie es aber auch schon versucht. Wenn sie sich an partizipativer Forschung beteiligen, ist ihnen vielleicht schon bekannt, wie schwer es ist, Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Oder wie schwer es ist, Veränderungsprozesse zu bewältigen. Praktiker/innen, die in Organisationen oder Verwaltungen arbeiten, sind in den meisten Fällen nicht befugt, wichtige Entscheidungen alleine zu treffen.